Was man über Gluten wissen sollte…

Glutenfrei

Immer mehr Mediziner und Wissenschaftler machen auf die gesundheitsgefährdene Wirkung von Gluten aufmerksam und raten zur glutenfreien Ernährung. Hinweise mehren sich, dass viele Auto-Immunerkrankungen, Erschöpfungszustände, psychische Krankheiten wie Depressionen oder Angstzustände und sogar Krebs durch Gluten ausgelöst oder negativ beeinflusst werden können. Was ist dran, an der Angst vor Gluten?

In letzter Zeit stolpere Ich immer häufiger über Artikel zum Thema “Glutenunverträglichkeit” oder höre von Ernährungsformen, die aus gesundheitlichen Gründen ganz auf Getreide verzichten (z.B. Paläo- oder Steinzeit-Diät). Der Aufdruck “Glutenfrei” prangert auf immer mehr Lebensmitteln im Supermarkt. Was genau ist Gluten und was hat es damit auf sich? Welche gesundheitlichen Risiken bestehen, wenn man Gluten nicht verträgt? Dieser Artikel versucht eine erste Übersicht zu diesem Thema zu geben und wird fortlaufend aktualisiert.

 

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Stoffgemisch aus Proteinen, das im Samen einiger Getreidearten vorkommt.  Es wird auch als “Klebereiweiß” bezeichnet, da Gluten für die Bildung der elastischen Masse des Teiges verantwortlich ist, sobald man Wasser zum Getreidemehl gibt.

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Wo ist überall Gluten drin?

Getreidearten mit hohem Glutengehalt sind Weizen, Dinkel, Roggen, Kamut, Emmer, Einkorn und Hartweizen. Hafer und Gerste haben einen niedrigen Anteil an Klebereiweiß.

Gluten ist demnach Bestandteil aller Lebensmitteln, die aus den entsprechenden Getreiden hergestellt wurden  (z.B. Brot, Bier, Gebäck, Nudeln, Pizza etc.). Aufgrund seiner chemischen Eigenschaften (emulgiert, geliert, bindet Wasser und ist ein guter Träger für Aromastoffe) wird Gluten außerdem häufig als Hilfsstoff eingesetzt und findet sich daher auch in Produkten bei denen man es auf den ersten Blick nicht erwartet hätte (Fertiggerichte,Suppen, Sossen, Desserts, Süssigkeiten etc.).

Will man sich komplett glutenfrei ernähren, klappt das also nur, wenn man sich konsequent die Inhaltsstoffe der Produkte durchliest und auf gekennzeichnete, glutenfreie Produkten ausweicht.

 

Gibt es Getreidesorten ohne Gluten?

  • Amarant
  • Buchweizen
  • Guakernmehl
  • Hirse
  • Johannisbrotkernmehl
  • Kartoffeln
  • Mais
  • Qinoa
  • Reis
  • Soja
  • Tapioka
  • Teff

 

Wann spricht man von Glutenunverträglichkeit?

Die schwerste Form der Glutenunverträglichkeit ist die sogenannte Zöliakie oder Sprue.

Die Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung in Form einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut, die durch eine Immunreaktion gegen Gluten entsteht und ein Leben lang bestehen bleibt. Bei dieser Erkrankung produziert der Körper Antikörper gegen Bestandteile von Gluten aber auch gegen körpereigene Antigene, die sich auf der Oberfläche der Dünndarmzotten befinden.

Neben der Zöliakie gibt es aber auch noch weiterer meist etwas mildere Formen der Gluten-Unverträglichkeit wie die Weizenallergie oder Gluten-Sensitivität, die häufig miteinander verwechselt werden. Zwar können sich die Beschwerden mitunter ähneln, doch die Krankheitsformen werden durch unterschiedliche Mechanismen im Körper ausgelöst.

 

Welche gesundheitliche Gefahren bestehen durch eine Glutenunverträglichkeit?

Leidet ein Patient unter Zölikalie kommt es beim Verzehr von Gluten zu einer Immunreaktionen im Dünndarm, die Darmschleimhaut entzündet sich und die Zotten bilden sich zurück. Dadurch wird die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung in den Körper behindert. So entstehen im Laufe der Erkrankung Nährstoffdefizite, die eine Reihe der Beschwerden auslösen. Mögliche Symptome sind Gewichtsverlust, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Depressionen und im Kindesalter eine verlangsamte körperliche Entwicklung.

Neben den direkten Symptomen die durch eine Entzündung des Dünndarms ausgelöst werden, können aber auch scheinbar schon leichtere Formen einer Glutenunverträglichkeit andere Krankheitsbilder begünstigen oder sogar auslösen.

Hierzu zitiert Dr. Mark Hymann  in einem Artikel aus dem Jahr 2011  eine Studie des New England Journal of Medicine, in der 55 Krankheiten aufgeführt werden, die durch den Verzehr von Gluten entstehen können. Darunter fallen fast alle Auto-Immunerkrankungen wie z.B. Osteoperose, Multiple Sclerosis oder Rheuma, aber auch Krebs oder psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angstzustände werden genannt.

Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich nicht, dass alle Auto-Immunerkrankungen nur durch Gluten verursacht werden. Leidet man aber unter einer dieser chronischen Krankheiten sollte man auf jeden Fall prüfen, wie man selber auf Gluten reagiert, um diesen Faktor auszuschliessen.

Der Gastroenterologe Dr. Rodney Ford geht in seinem Artikel: Gluten bad for us all sogar noch weiter und fordert einen weltweiten Wandel zu einer glutenfreien Ernährung, da sich immer Medizinern darüber einig werden, dass es sich bei Gluten um ein Gift für den Körper handelt. Dieses Protein sollte am besten überhaupt nicht mehr in die Lebensmittelkette gelangen.

Genauso gibt es aber viele wissenschaftliche Gegenstimmen zu diesem Thema und Ich finde generelle “Alles oder nichts” Standpunkte etwas schwierig. Statt gesundheitliche Panik zu verbreiten, kann einfach jeder, den es interessiert oder der ungeklärte gesundheitliche Probleme hat ausprobieren, wie er glutenhaltige Lebensmittel verträgt. Gluten sollte mindestens 3 Wochen weggelassen werden, danach kann man prüfen, wie sich der gesundheitliche Zustand verändert hat.

 

Wie viele Menschen leiden unter einer Glutenunverträglichkeit?

Laut der Deutschen Zöliakie Gesellschaft  ging man bis vor einigen Jahren noch davon aus, dass im Durchschnitt etwa einer von 1.000 bis 2000 Menschen in Deutschland von Zöliakie betroffen ist. Neuere Reihenuntersuchungen zeigen jedoch, dass die Häufigkeit tatsächlich bei etwa 1:200 liegt. Nur bei 10-20 % der Betroffenen liegt das Vollbild der Zöliakie vor. 80-90 % haben untypische oder keine Symptome und wissen daher oft nichts von ihrer Erkrankung.

Für diese meist weniger schweren Formen der Glutenunverträglichkeit (wie Weizenallergie und Gluten-Sensitivität) liegt die Zahl der Betroffenen bzw. die Dunkelziffer jedoch scheinbar deutlich höher als bei der Zölikalie.Das liegt meistens daran, dass diese Krankheitsbilder aufgrund der breit gefächerten Symptome und suboptimalen Testmethoden nicht richtig diagnostiziert werden.

Auch der Zölikalie-Forscher Professor Alessio Fasano bestätigt diesen Standpunkt in einem gefundenen Interview, und erklärt, dass es dem Menschen praktisch unmöglich ist Gluten adäquat zu verdauen. Als Resultat daraus leide eigentlich jeder Mensch an einer Gluten-Sensitivität und den damit verbundenen gesundheitlichen Risiken.

 

Wie kann Ich testen, ob Ich Gluten vertrage?

Die Tests, die ein Arzt durchführen kann, können meist nur die schwere Form der Zöliakie nachweisen. Besonders die leichteren Formen der Gluten-Sensitivität sind kaum testbar. Der einfachste und zugleich sicherste Weg ist daher alle Glutenprodukte für mindestens 3 Wochen wegzulassen und den Körper zu beobachten. Fühlt man sich besser oder genauso wie sonst?

Nach diesem glutenfreien Zeitraum kann man dann mal wieder herzhaft in ein Baguette beissen und abwarten, was passiert. Fühlt man sich anschließend schlechter, spricht das auf jeden Fall dafür, sich von Gluten zukünftig eher fern zu halten.

 

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Foto: Balint Radu – Fotolia.com

 

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